Vorteile und Fakten

Chancen für die City

Die Neugestaltung der nördlichen Innenstadt ist mit dem D-Tunnel eine einmalige Gelegenheit. Anfang der 1990er Jahre war das innerstädtische U-Bahn Netz mit der Fertigstellung des Abzweigs C-Nord zum Engelbosteler Damm nahezu komplett. Die Diskussionen um den vierten Innenstadttunnel wurden mit dem Zuschlag Hannovers für die EXPO 2000 konkret. Die anfäng­liche Planung sah bereits eine Tunnelrampe in der Braunstraße (Glocksee) vor, denn die Landeshauptstadt wollte damals eine Neugestaltung der städtebaulich wenig entwickel­ten Goethestraße erreichen. Die Tunnelführung bereits ab Goetheplatz hätte sogar das breite Rasengleisbett in der Mitte verschwinden lassen können und neue, breitere Geh- und Radwege ermöglicht. Dieser Bereich offenbart also viel Gestaltungs­potential.

Nach heftiger Diskussion über die Finanzierung verschwanden schließlich Mitte der 1990er Jahre alle Pläne in den städtischen Archiven. Die als Reststrecke verbliebene Innenstadt-Trasse für die Linie 10 wurde fortan stiefmütterlich behandelt, ebenso die von ihr durch­fahrenen Straßen und Plätze. Die Tunnel­pläne waren noch nicht aufgegeben worden, das Thema D-Tunnel wurde nur auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Folgen sind bis heute sichtbar: die »altmodisch« im engen Stadt­gebiet fahrende Linie 10 wird heutzutage eher als störend empfunden. Die Umsteige­wege ins restliche unterirdisch verkehrende Stadt­bahn­netz sind ungünstig und gerade für Pendler oftmals lästig. An Barriere­freiheit, die nur durch Hochbahn­steige erreicht werden kann, ist an den Haltestellen Haupt­bahnhof und Thielen­platz aus städte­bau­lichen Gründen nicht zu denken.

Die Barrierewirkung durch die beiden Linien 10 und 17 ist spürbar, aber noch erträglich. Im Falle einer weiteren Taktverdichtung, die man für die 10 mittelfristig und für die 17 ab 2014 konkret mit dem Anschluss Hemmingens plant, wäre der Bahnhofsvorplatz schon so stark durch das Verkehrsmittel Straßenbahn belegt, dass Fußgänger Mühe hätten, auf die jeweils andere Seite zu gelangen. Hinzu kämen noch aktuell zwei Buslinien, die ebenfalls in der Mitte des Ernst-August Platzes auf den Straßenbahngleisen fahren. Kritiker könnten entgegnen, früher in den 1960er Jahre seien ja auch weit mehr Straßenbahnlinien gefahren – man darf aber nicht vergessen, dass die Fahrzeuglänge damals mit ca. 20 m im Verhältnis zu heute recht bescheiden war. Die aktuell eingesetzten Stadtbahnfahrzeuge sind mit ihren Längen von bis zu 75 m schon eine ganz andere Klasse.

Welche Entwicklungschancen ergeben sich heute für die betroffenen Bereiche im Rahmen des Stadtentwicklungsprojektes Hannover 2020?

Von der Linie 10 werden Goethestraße, Kurt-Schumacher-Straße, Ernst-August-Platz, Joachim­straße, Thielen­platz und Prinzen­straße befahren. Wie bereits erwähnt, wurden diese Bereiche infolge der Hoffnung, dass die dort als Relikt verbliebene Straßen­bahn­trasse einmal verschwinden würde, wenig entwickelt. Lediglich die Kurt-Schumacher-Straße wurde beim Neubau der Ernst-August-Galerie unmittelbar im angren­zenden Bereich neugestaltet. Für alle betroffenen Straßen­züge gilt, dass eine Verkehrs­beruhigung sowie breitere Rad- und Fußwege erst möglich sind, wenn die Schienen entfallen. Es kann nur richtig sein, die positiven Stadt­entwicklungs­akzente auch an den Straßen­zügen, die derzeit von der Linie 10 befahrenen werden, fortzusetzen.

Die Visualisierung (Animation: VirtualPix) zeigt die städte­baulichen Entwicklungs­möglichkeiten eines straßen­bahn­freien Thielen­platzes. Auch die rechts oben anschließende Prinzen­straße könnte ohne die überlange und den gesamten Raum einnehmende Straßenbahn erheblich aufgewertet werden. Die akustische Beruhigung dieser Flächen durch den Wegfall von engen Kurven ist ein nicht unerheblicher Nebeneffekt, lässt sich bildlich aber eher nur erahnen.

Die Chance für die Umgestaltung von Straßen- und Platzräumen

Die obige Karte zeigt die Umgestaltung der Straßen- und Platzräume, die mit dem Bau einer unterirdischen D-Linie möglich wären (Quelle: O.V.: Weltausstellung Expo 2000 – Projekte in der Stadt, Beiträge zur Diskussion Band 6, Hannover, 1992, S.18, modifiziert [Schienen aus der Grundkarte entfernt]). So können an zahlreichen Stellen der Innenstadt Umgestal­tungen erfolgen, die sich durch den Wegfall der Schienen ergeben, wodurch auch gleichzeitig die Entschärfung von Gefahren­punkten möglich wäre. Die Gestaltungs­pläne wurden Anfang der 1990er Jahre im Zusammen­hang mit Planungen zur Expo 2000 konkretisiert. Die Straßen­räume können großzügiger gestaltet und Allee­bäume gesetzt werden. Breitere Fußwege und verbesserte Wege­beziehungen werden geschaffen, neue Radwege und ein geordnetes Parken sind möglich – eine einmalige Chance.

Die Schienen liegen noch in einer Reihe zentraler Plätze und Straßenräume als auch in wichtigen Randbereichen der Innenstadt. Goethe­straße, Kurt-Schumacher-Straße, Ernst-August-Platz, Joachim­straße, Thielen­platz und Prinzen­straße werden von der Linie 10 befahren. Diese Bereiche wurden infolge der Hoffnung, dass die dort als Relikt der 1980er Jahre verbliebene Straßen­bahn­trasse einmal verschwinden würde, wenig entwickelt. Lediglich die Kurt-Schumacher-Straße wurde beim Neubau der Ernst-August-Galerie unmittelbar im angren­zenden Bereich geringfügig neugestaltet. Es kann nur richtig sein, die positiven Stadt­entwicklungs­akzente auch an den Straßen­zügen, die derzeit von der Linie 10 befahren werden, fortzusetzen. Keinesfalls darf man sich ausschließlich unter Kosten­aspekten für ein weiteres Provisorium entscheiden, das die einzige noch verbliebene echte Straßen­bahn Hannovers bis jetzt darstellt. Heute scheinbar kosten­günstige Lösungen könnten zur Last für zukünftige Generationen werden, wenn ihre Beseitigung in 30 Jahren erneut auf der Tages­ordnung steht.