Das Stadtbahnnetz Hannover

Vorleistungen

Als in Hannover jahrelang gebuddelt wurde, baute man Tunnel­teile für die späteren Linien gleich mit. Auch zum D-Tunnel gehören umfang­reiche Vorleistungen, die bereits beim Bau der drei übrigen Äste geschaffen wurden. Die beiden bekann­testen »Investi­tionen in die Zukunft« sind die »Geister­stationen« am Haupt­bahnhof und Steintor. Bei ersterer handelt es sich um eine im Rohbau nahezu fertige Station unter den im Betrieb befindlichen Bahnsteigen. Am Steintor ist ein Teil der Station fertig­gestellt. Weitere Vorleistungen sind an der Marien­straße zu finden, dort hat man die tragenden Säulen der heutigen Station so weit gebaut, dass der nach­träg­liche Bau einer Station unterhalb der heutigen Gleise problemlos möglich ist. Außerdem wurde in den betroffenen Bebauungs­plänen festgehalten, dass Flächen, die für den Tunnel benötigt werden, nicht verbaut werden dürfen, zum Beispiel unterhalb der im Oktober 2008 eröffneten Ernst-August-Galerie am Haupt­bahnhof. Stadtbaurat Uwe Bodemann hält sich (auch im Zuge der Pläne zur Neubebauung des Steintor-Platzes) alle Optionen auf einen zukünftigen D-Tunnel-Bau offen (Brief liegt vor).

Station Hauptbahnhof

Die größte Vorleistung für den D-Tunnel wurde am Haupt­bahnhof geschaffen. Als der Rasch­platz komplett umgebaut wurde, baute man den tief­liegenden Stations­teil für die Linie D mit. Sie kreuzt höhen­ungleich im 60°-Winkel die Gleise der Linien A und B. Während sich diese Bahnsteige in Mittellage mit vorberei­teten Treppen- und Roll­treppen­aufgängen befinden, sind die Bahn­steige für die D-Linie in Seiten­lage angebracht. Kurze Umsteige­wege sind dadurch gewährleistet. Vom Haupt­bahnhof und vom Rasch­platz aus sind Abgänge vorgesehen, die auf eine Verteiler­galerie führen, von der man beide D-Bahn­steige ebenfalls erreichen kann. Diese Abgänge sind allerdings heute verbaut (vorne durch das Ross­mann-Geschäft, im hinteren Teil durch den Umbau des Raschplatzes 2010 durch eine Laden­front). Die Verteiler­ebene befindet sich leicht schräg angeordnet hinter der Wand vom Gleis Richtung Messe­gelände. Dieser Stations­teil kann regelmäßig im Rahmen einer Führung durch den Hauptbahnhof von Statt­reisen Hannover besichtigt werden.

Die »Geisterstation«, wie sie seit mehr als 35 Jahren genannt wird, ist im Rohbau vollständig vorhanden. Für Planungen vor der Expo 2000 wurden umfang­reiche Umbau­maß­nahmen vorgesehen, die die Zuwegungen verbessern und ausbauen sollten. Dabei wäre die lange Passage vom Rasch­platz Richtung Verteiler­ebene von vornherein weggefallen. Dafür würde ein groß­zügiger direkter Zugang direkt vom Rasch­platz zur Galerie erfolgen (etwa hinter dem heutigen Geschäft Ross­mann), ebenso wurden Fahr­stühle und zusätzliche Treppen in die Runde­straße vorgesehen. Der 2010 eingeweihte Fahr­stuhl auf dem A/B-Bahnsteig Richtung Norden führt bereits bis in die Ebene der Linie D. Ein heller und barriere­freier Zugang zu diesem Stations­teil ist von vornherein möglich, da der Rohbau alle weiteren Gestaltungs­möglichkeiten offen hält.

Station Steintor

Die Station Steintor der Stadt­bahn­linie C erschließt einen der fünf wichtigsten Punkte der Innen­stadt. Sie liegt in der Achse Georg­straße – Lange Laube mitten unter dem Steintor­platz und ist als drei­geschossiger Umsteige­punkt für die C- und die spätere D-Linie konzipiert. Das Bahn­steig­geschoss in der zweiten Ebene mit zwei Seiten­bahn­steigen ist voll ausgebaut. Zwei Verteiler­ebenen unter der Georg­straße und der Langen Laube erschließen die Station über vier Zugänge. Das die C-Linie kreuzende Teil­stück der Linie D ist im Rohbau fertig. Diese kleine Halle ist so breit wie der darüber liegende Stations­teil. Bei einem späteren Ausbau führen Treppen seitlich von den Bahnsteigen der C-Linie auf einen Mittel­bahn­steig der Linie D. Weitere Merkmale dieses Stations­teils sind noch in Diskussion, so könnte durch den Platz eine geräumige zwei­geschossige Halle (wie in der Station Markt­halle) entstehen.

Gestalterisches Merkmal für die Station Steintor wurde der 60-Grad-Winkel, der sich aus der Kreuzung der C- mit der D-Linie ergibt. Hieraus sind die Raumform, die sechs­eckige Form der Stützen sowie die diagonale Anordnung der abgehängten Decken­elemente und des hellen Fußbodens entwickelt. Im Kontrast zu dem hellen Fußboden stehen die mit dunkel­braunen Verblendern – in Anlehnung an das Anzeiger-Hochhaus – verkleideten Wände. Die Besichtigung des Stations­teils der D-Linie kann nur in Absprache mit der Üstra erfolgen und bleibt daher im Gegen­satz zu den Statt­reisen-Führungen am Hauptbahnhof der Öffent­lichkeit unzugänglich.

Gleis 56 (Überführungsgleis C/D)

Im Hinblick auf die im geplanten Stadt­bahn­netz vorgesehene Linie D wurde der Strecken­abschnitt in der Georgstraße von der Kleinen Packhof­straße bis etwa zum Steintor in Höhe der Reit­wall­straße dreigleisig gebaut. Das zusätzliche dritte Gleis (mit der Bezeichnung »56«) wird bei einem entsprechenden weiteren Ausbau des Stadt­bahn­netzes erforderlich, weil es die einzige Betriebs­verbindung für notwendige Über­führungs­fahrten zwischen der Linie D und dem übrigen Stadt­bahn­netz darstellt. Zwischen­zeitlich wird dieses Gleis zum Kehren und Abstellen von Zügen für die Linien B und C benutzt. Das Gleis 56 führt bei einem späteren Ausbau höhengleich auf den D-Tunnel zu und vereint sich in der Goethe­straße mit den Gleisen der Linie D. Dabei wird das stadt­einwärts führende Gleis (in Richtung Hbf.) kurz vor dem Stations­teil als einzige Stelle im Linien­netz gekreuzt. Diese Kreuzung wird später für Über­führungs­fahrten in Richtung Glocksee signal­gesichert sein. Das Bild zeigt das Gleis aus der Sicht kurz vor dem Prell­bock-gesicherten Ende nahe der Station Steintor in Blickrichtung Kröpcke. Ein Notausgang vom Gleis zum C-Bahnsteig ist angegliedert.

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